Machbarkeitsstudie klärt, ob Stahlwerk künftig tausende Haushalte im Städtedreieck Saalfeld, Rudolstadt, Bad Blankenburg mit Wärme versorgen kann

Experten suchen nach Wegen, wie Abwärme rentabel und technisch umsetzbar aus Produktionsanlagen ausgekoppelt und zu Nutzern transportiert werden kann - Thüringenweit einmaliges Projekt bündelt Know-how von Landesenergieagentur, Energiedienstleister und Stahlwerk Thüringen - Bislang nicht genutzte Abwärme in Thüringen könnte insgesamt rund 500.000 Haushalte beheizen

Während die Staatengemeinschaft auf der Weltklimakonferenz in Katowice um einen Klimaschutzfahrplan ringt, wird in Thüringen an einem Konzept gearbeitet, das Energieeinsparungen im großen Stil verspricht: Das Stahlwerk Thüringen in Unterwellenborn könnte künftig Abwärme für tausende Haushalte in Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg bereitstellen. Das ist das Ziel eines gemeinsamen Vorhabens von Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (ThEGA), Stahlwerk Thüringen GmbH und TWS Thüringer Wärme Service GmbH. Die Experten gehen davon aus, dass die überschüssige Wärme aus dem Stahlwerk künftig einen bedeutenden Teil der Fernwärmeversorgung in der Region abdecken kann. Für das thüringenweit einmalige Projekt haben Landesenergieagentur, Energiedienstleister und Unternehmen eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet und eine Machbarkeitsstudie initiiert, deren Ergebnisse im Lauf des kommenden Jahres vorliegen sollen. Darin soll unter anderem geklärt werden, ob und wie die Abwärme technisch sinnvoll aus den Produktionsanlagen ausgekoppelt und zu vertretbaren Kosten in bestehende Fernwärmenetze integriert werden kann. Die Studie für dieses komplexe Vorhaben wird finanziert aus Mitteln des europäischen Abwärme-Projektes CE-HEAT, des Landes Thüringen und der TWS Thüringer Wärme Service GmbH, einer Tochterfirma der TEAG Thüringer Energie AG.

Das sagen die Projekt-Teilnehmer

Frank Wagner, Produktionsleiter Stahlwerk Thüringen GmbH:
„Das Stahlwerk Thüringen sucht seit einiger Zeit nach Lösungen, wie sich die Abwärme zu bezahlbaren Kosten und bei laufender Produktion weiterverwerten lässt. Durch die Kooperation mit ThEGA und TWS können wir nun erstmals prüfen, ob unsere überschüssige Wärme effizient verdichtet in ein Wärmenetz eingespeist werden kann. Dies würde für umweltfreundliche Wärme in tausenden Wohnungen der Region sorgen.“

Rico Haustein, Geschäftsführer TWS Thüringer Wärme Service GmbH:
„Bei Vorhaben dieser Größenordnung sind viele technische und wirtschaftliche Fragen zu klären. Der sich daraus ergebende Aufwand und die hohe Komplexität sind die Hauptgründe für die bislang oft zögerliche Umsetzung von Abwärme-Projekten im Freistaat. Gemeinsam mit der Landesenergieagentur ThEGA und dem Stahlwerk Thüringen wollen wir zeigen, was möglich ist, wenn mehrere starke Partner ihr Know-how bündeln.“

Professor Dieter Sell, Geschäftsführer der ThEGA:
„In vielen Unternehmen verpufft Abwärme einfach so. Deswegen finden wir es als Landesenergieagentur großartig, dass wir gemeinsam mit dem Stahlwerk Thüringen und der TWS ausarbeiten, wie die überschüssige Abwärme über die Werksgrenzen hinaus genutzt werden kann. Thüringer Unternehmen und Kommunen, die ähnliche Projekte stemmen möchten, können sich gern an die ThEGA wenden.“

Hintergrund: Abwärmepotenzial in Thüringen

Ob Motoren laufen, Metall bei hohen Temperaturen bearbeitet oder Druckluft erzeugt wird – viele Thüringer Unternehmen produzieren Wärme als Nebenprodukt thermischer oder mechanischer Produktionsprozesse. Besonders viel entsteht in der Herstellung von Glas und Keramik, Papier und Pappe sowie Metall. Nach ThEGA-Berechnungen liegt das Abwärmepotenzial in Thüringen bei vier Milliarden Kilowattstunden. Mit dieser bislang nicht genutzten Abwärme könnten rund 500.000 Haushalte versorgt werden. Das Abwärmekataster auf www.thega.de/abwaerme zeigt mehr als 400 Abwärmequellen im Freistaat und informiert über die jeweils zur Verfügung stehende Wärmemenge. Unternehmen können so potenzielle Abnehmer wie Wohnungsunternehmen, Energieversorger oder andere Betriebe auf überschüssige Wärmepotenziale hinweisen.

Über die ThEGA
Die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (ThEGA) informiert und berät als Landesenergieagentur des Freistaates Thüringen Kommunen, Unternehmen, Bürger und Politik in den Bereichen erneuerbare Energien, Energie- und Ressourceneffizienz, nachhaltige Mobilität sowie kommunales Energiemanagement. Dabei agiert die ThEGA markt- und anbieterneutral. Gemeinsam mit acht internationalen Partnern engagiert sich die ThEGA in dem europäischen Projekt CE-HEAT für eine stärkere Nutzung von Abwärme. Weitere Informationen unter: www.thega.de und www.thega.de/abwaerme.

Ihr Ansprechpartner

Andreas Braun

Andreas Braun
Pressesprecher und Projektleiter Öffentlichkeitsarbeit

Mainzerhofstraße 10
99084 Erfurt

0361 5603-219
0361 5603-327
E-Mail schreiben