Forschungsprojekt Solar Empowerment 2.0: Was bringt mehr Solaranlagen auf Thüringens Dächer?
- Landesenergieagentur ThEGA und Universität Erfurt weiten erfolgreiches Pilotprojekt auf fünf Thüringer Regionen aus
- Rund 30.000 Hauseigentümer erhalten per Brief Informationen zu Solarpotenzial, Kosten und Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage
- Mehr als 130.000 Solaranlagen decken in Thüringen bereits über ein Viertel des Strombedarfs
Können gezielte Informationen mehr Photovoltaikanlagen auf Thüringens Dächer bringen als klassische Förderprogramme? Dieser Frage gehen die Thüringer Landesenergieagentur ThEGA und die Universität Erfurt im Auftrag des Thüringer Energieministeriums im Forschungsprojekt „Solar Empowerment 2.0“ nach. Dafür informieren sie rund 30.000 Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in fünf Thüringer Regionen über die Potenziale einer eigenen Solaranlage. Das Projekt läuft bis 31. Januar 2027, die Ergebnisse der Studie sollen zum Ende des ersten Quartals 2027 vorliegen.
Aufbauend auf dem erfolgreichen Pilotprojekt „Solar Empowerment“ in Weimar wird die Untersuchung nun von einer einzelnen Stadt auf fünf Thüringer Regionen ausgeweitet. Mit vier Landkreisen im ländlichen Raum (Wartburgkreis, Ilmkreis, Unstrut-Hainich-Kreis sowie Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) und der Stadt Jena wird erstmals in größerem Maßstab untersucht, wie gezielte Informationen und Beratungsangebote Investitionen in PV-Anlagen beeinflussen.
Tilo Kummer: Pilotprojekt in Weimar weist den Weg
Energieminister Tilo Kummer: „Eigener Solarstrom vom Dach bleibt eine attraktive Möglichkeit, seine eigenen Stromkosten zu senken und zur Gesamtmenge des erneuerbaren Stroms in unserem Netz beizutragen. Seit Juni auch durch Energysharing, bei dem Hauseigentümer selbst bei Wegfall einer Einspeisevergütung für den überschüssigen Strom künftig ihren Strom an Nachbarn verkaufen können. Hier braucht es noch Verbesserungen, aber die Richtung stimmt. Schon das Pilotprojekt in Weimar war ermutigend und hat neue Investitionen ausgelöst, die sich für die Dacheigentümer langfristig rechnen. Viele brauchen genau diesen Anstoß und die umfassenden Informationen, damit sie eine gute nachhaltige Entscheidung treffen können.“
Professor Sell: Informationen können Investitionen anstoßen
„Auf Thüringens Wohngebäuden schlummert ein großes Solarpotenzial. Um das zu erschließen, braucht es nicht zwingend Fördermittel, sondern die richtigen Informationen zur richtigen Zeit. Unsere Erfahrungen zeigen, dass viele Eigentümer grundsätzlich bereit sind zu investieren, wenn sie die Potenziale ihres Daches und die wirtschaftlichen Chancen einer Solaranlage kennen“, sagt Professor Dieter Sell, Geschäftsführer der ThEGA.
Individuelle Informationen und kostenfreie Beratung
Ab Ende Juni erhalten ausgewählte Eigentümerinnen und Eigentümer geeigneter Gebäude persönliche Anschreiben. Diese enthalten Abschätzungen zur möglichen Stromerzeugung, zu Investitionskosten, zur Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage sowie zu möglichen CO₂-Einsparungen. Die Angaben dienen als erste Orientierung und ersetzen weder eine individuelle Fachplanung noch ein konkretes Angebot eines Fachbetriebs. Während des Forschungszeitraums steht den angeschriebenen Personen eine kostenlose Solarhotline für individuelle Fragen zur Verfügung.
Photovoltaik bleibt wichtiger Baustein der Energiewende
Der Ausbau der Solarenergie hat in Thüringen in den vergangenen Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen. Aktuell sind im Freistaat 131.615 Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 3.400 Megawatt in Betrieb. Damit deckt Solarstrom bereits rund 28 Prozent des Thüringer Stromverbrauchs.
Gleichzeitig wächst der Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen und die Elektrifizierung von Industrie und Gewerbe. Um diesen Bedarf künftig klimafreundlich und möglichst regional zu decken, bleibt der Ausbau der Solarenergie ein wichtiger Baustein der Energiewende.
Pilotprojekt in Weimar liefert vielversprechende Ergebnisse
Das Projekt knüpft an die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt „Solar Empowerment“ in Weimar an. Dort wurden 2023 von ThEGA und Universität mehr als 6.000 Eigentümerinnen und Eigentümer gezielt über die Potenziale ihrer Gebäude informiert. Die Auswertung ergab, dass dadurch Investitionen von rund 1,5 Millionen Euro und zusätzliche Photovoltaik-Leistungen von etwa 1.000 Kilowatt Peak angestoßen wurden.
Auch Eigentümerinnen und Eigentümer, die kein Anschreiben erhalten, können das Solarpotenzial ihres Daches kostenfrei prüfen: Der Thüringer Solarrechner liefert auf www.solarrechner-thueringen.de eine erste fundierte Einschätzung.
Über die ThEGA
Die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (ThEGA) ist die Landesenergieagentur Thüringens. Seit 2010 treibt sie die Energiewende im Freistaat voran und fungiert als Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien, kommunalen Klimaschutz, nachhaltige Mobilität, Ressourceneffizienz und klimafreundliche Wärme.
Die ThEGA informiert und berät Kommunen, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger sowie die Politik und vernetzt Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung für erfolgreiche Projekte. Die ThEGA wird vom Freistaat Thüringen kofinanziert und arbeitet im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten, des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum sowie des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur und des Thüringer Ministeriums für Digitales und Infrastruktur.
Mehr Informationen unter: www.thega.de.
