Tag der Erneuerbaren Energien: Bereits über 4.300 neue PV-Anlagen in 2023, Flaute bei Windenergie

In Thüringen sind bis 15. April bereits mehr als halb so viele PV-Anlagen in Betrieb gegangen wie im gesamten Jahr 2022 – Landesenergieagentur ThEGA rechnet bis Jahresende mit mehr als 60.000 PV-Anlagen im Freistaat – Bislang ist 2023 kein neues Windrad ans Netz gegangen, Zahl der Bioenergieanlagen steigt leicht

In Thüringen kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien voran. Allerdings muss das Tempo – vor allem bei der Windenergie – erhöht werden. So lautet das Fazit der Landesenergieagentur ThEGA zum Tag der Erneuerbaren Energien am 29. April. Der Ausbau von Wind-, Solar- und Bioenergie spielt eine Schlüsselrolle für Deutschlands Klimaschutzziele und für eine größere Unabhängigkeit von fossilen Energien wie Kohle und Gas.

Bereits 4.319 neue PV-Anlagen in 2023 installiert

Am meisten bewegt sich bei der Solarenergie. In diesem Jahr hat sich die Zahl der Solaranlagen in Thüringen bereits um 4.319 erhöht. Rund 1.200 davon sind Balkonkraftwerke. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2018 wurden lediglich 1.787 Anlagen installiert, 2022 waren es 7.881. Insgesamt produzieren 51.500 Solaranlagen mit einer Leistung von 2.209 Megawatt in Thüringen klimafreundlichen Strom. Das entspricht 19 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Freistaat, wenn die Ausnutzung der PV-Anlagen bei 950 Volllaststunden im Jahr liegt. Bis zum Jahresende rechnet die Servicestelle Solarenergie der ThEGA mit mehr als 60.000 PV-Anlagen in Thüringen. Zudem gehen die Solarexperten davon aus, dass noch in diesem Jahr sechs leistungsstarke Freiflächenanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 60 Megawatt ans Netz gehen. Auch für die kommenden Jahre prognostiziert die ThEGA Wachstum bei der Solarenergie: „Neuerungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wie Steuererleichterungen und höhere Einspeisevergütungen treiben den Solarboom an. Besonders die Nachfrage nach Dach- und Balkonanlagen bleibt hoch“, sagt ThEGA-Projektleiter Marcel Weiland. Allerdings werde es immer schwieriger, die passende Anlagentechnik und den richtigen Handwerker zu finden.

Ausbau der Windenergie gerät ins Stocken

In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist in Thüringen kein neues Windrad in Betrieb gegangen. Im ersten Quartal 2022 waren es zumindest noch vier neue Anlagen. Insgesamt erzeugen in Thüringen 865 Windräder mit 1.796 Megawatt Leistung Strom. Damit deckt die Windenergie bei einer Ausnutzung von 2.100 Volllaststunden pro Jahr 33 Prozent des Thüringer Nettostromverbrauchs ab. „Thüringen muss beim Ausbau der Windenergie wieder Fahrt aufnehmen“, fordert Ramona Rothe von der Servicestelle Windenergie der ThEGA. „Dafür müssen das Landesentwicklungsprogramm und veraltete Raumordnungspläne rasch geändert werden. Auch das bereits auf den Weg gebrachte Windbeteiligungsgesetz, welches die regionale Wertschöpfung und die Beteiligung von Bürgern und Kommunen stärkt, muss zügig kommen.“

Mehr als 400 Bioenergieanlagen sind in Betrieb

In Thüringen produzieren 412 Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) Strom mit Biogas und Biomethan. Diese verfügen über eine Gesamtleistung von 176 Megawatt. Bei einer Ausnutzung von 8.000 Volllaststunden im Jahr entspricht das etwa 12 Prozent des Thüringer Stromverbrauchs. 2022 sind vier KWK-Anlagen mit 2,9 Megawatt Leistung hinzugekommen. Bioenergieanlagen erzeugen Biogas, in dem sie vor allem Gülle aus der Schweine- und Rinderhaltung und pflanzliche Biomasse wie Mais vergären. Das so gewonnene Biogas wird in Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme umgewandelt. „Die Zahl der Biogasanlagen ist zuletzt leicht gewachsen. Mittelfristig wird sich dieser Trend abschwächen. Zum einen ist bundesweit ein Rückgang bei der Massentierhaltung zu verzeichnen, weshalb die Potenziale für die Gaserzeugung weitestgehend ausgeschöpft sind. Andererseits hat Biogas – bezogen auf die genutzte Fläche – eine bis zu zehnfach schlechtere Energieausbeute als Solar- oder Windenergie“, sagt Daniel Krieg, Projektleiter für Bioenergie bei der ThEGA. Künftige Herausforderung sei es vor allem, den wirtschaftlichen Weiterbetrieb älterer Anlagen zu sichern, deren staatliche EEG-Förderung nach 20 Jahren ausläuft. Auch die technische und wirtschaftliche Vermarktung der anfallenden Wärme, zum Beispiel durch Nahwärmenetze, böte noch reichlich Potenzial.

 

 Über die ThEGA

Die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (ThEGA) ist die Landesenergieagentur des Freistaates Thüringen. Sie engagiert sich für mehr Klimaschutz und eine erfolgreiche Energiewende in Thüringen. Die ThEGA ist das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien, kommunalen Klimaschutz, klimafreundliche Wärme, Energie- und Ressourceneffizienz, nachhaltige Mobilität und eine klimaneutrale Landesverwaltung. Seit 2010 informiert und berät die ThEGA Unternehmen, Kommunen, Bürger und Politik und trägt so maßgeblich zum Gelingen der energie- und klimapolitischen Ziele Thüringens bei. Für erfolgreiche Energiewende- und Klimaschutzprojekte bringt sie Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen. Die ThEGA agiert markt- und anbieterneutral. Mehr Informationen: www.thega.de

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